Was sind Krankenhauskeime und wie gefährlich sind sie?

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Bis zu 20.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland an Krankenhauskeimen. Am meisten gefährdet sind immungeschwächte und schwerkranke Patienten. Welche Erreger verursachen die meisten Infektionen? Und wie lässt sich die Sterblichkeit in den Kliniken reduzieren?

Zusammenfassung

  • Krankenhauskeime sind besonders für immungeschwächte Personen mitunter sehr gefährlich.
  • Invasive Eingriffe und Mängel in der Hygiene sind häufige Ursachen für die Infektion mit Keimen.
  • Laut Robert Koch Institut ereignen sich in Deutschland 600.000 Infektionen mit Krankenhauskeimen.

Was sind Krankenhauskeime?

Zu den häufigsten Krankenhauskeimen zählen:

  • Staphylococcus aureus – rundes Bakterium, kommt auf der Haut und auf Schleimhäuten vor.
  • Pseudomonas aeruginosa – Stäbchenbakterium, mag feuchte Milieus. Lebt in Toiletten und Sanitärräumen, aber auch im menschlichen Darm.
  • Klebsiella pneumoniae – Stäbchenbakterium, bewohnt den menschlichen Darm.
  • Escherichia coli – Teil der Darmflora. Wichtig für die Produktion von Vitamin K.

Die meisten Krankenhauskeime verursachen bei gesunden Menschen keine Probleme. Immungeschwächte Patienten erkranken jedoch mitunter schwer. Die häufigsten Pathologien sind:

  • Blasenentzündungen
  • Lungenentzündungen
  • Blutvergiftungen
  • Wundinfektionen
Schon gewusst? Der Begriff “nosokomial” bildet sich aus den griechischen Wörtern “nosos” (Krankheit) und “komein” (Pflege). Nosokomiale Infektionen sind also Infektionen mit Krankenhauskeimen.

Was sind die Gründe für Infektionen mit Krankenhauskeimen?

Krankenhäuser sind aus mehreren Gründen kritische Orte:

  1. Die Patienten sind oft bereits krank. Ihr Immunsystem schafft es nicht, Erreger zu bekämpfen.
  2. Invasive Eingriffe dienen als Eintrittstor für Bakterien in sterile Körperbereiche. Eine künstliche Beatmung erhöht beispielsweise die Wahrscheinlichkeit für nosokomiale Lungenentzündungen, eine Katheterisierung begünstigt Harnwegsinfektionen.
  3. Das medizinische Personal überträgt entweder durch die Hände oder indirekt durch kontaminierte Oberflächen die Bakterien. Diese sogenannten exogenen Infektionen machen 30 Prozent der Gesamtinfektionen mit Krankenhauskeimen aus.

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Wie bekämpfen Ärzte Krankenhauskeime?

Die Standardtherapie gegen Krankenhauskeime ist eine Behandlung mit Antibiotika. Allerdings sind immer mehr Erreger dagegen resistent. Methicillin-resistente Staphylokokken (MRSA) sind zum Beispiel anders als herkömmliche Staphylokokken gegen Penicillin und die meisten anderen Antibiotika immun.

Die vermehrte Widerstandsfähigkeit von Bakterien ist mehreren Ursachen geschuldet:

  1. übermäßiger Antibiotikaeinsatz – Spontane Erbgutveränderungen ermöglichen wenigen Bakterien, eine Antibiotikabehandlung zu überleben und sich zu vermehren. In den folgenden Generationen wächst der Anteil der genmutierten Bakterien. Je mehr Antibiotikabehandlungen, desto wahrscheinlicher ist das Auftreten solcher Resistenzen.
  2. niedrige Antibiotikadosierungen und kurze Einnahmen – bricht der Patient zu früh die Antibiotikatherapie ab, ist es wahrscheinlicher, dass Resistenzen auftreten, weil weniger Bakterien sterben.
  3. massive Verwendung von Antibiotika in der Tierzucht – zwar dürfen die Medikamente nicht mehr als Wachstumsbeschleuniger und prophylaktisch eingesetzt werden, jedoch nach wie vor bei kranken Tieren. Die Antibiotikarückstände in den Abwässern fließen in die Kläranlagen. Hier entwickeln Bakterien Resistenzen.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei multiresistenten Krankenhauskeimen?

Bei antibiotikaresistenten Bakterien wie MRSA helfen sogenannte Dekontaminationen mit Reserveantibiotika wie Carbapenemen. Inzwischen überlegen jedoch manche Krankenhauskeime immer häufiger solche Behandlungen.

Wer erhebt Daten über Infektionen mit Krankenhauskeimen?

Bereits 1995 wurde in Deutschland das Nationale Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen gegründet. Neben Studien veröffentlicht das Institut regelmäßige Empfehlungen für das Hygienemanagement in Krankenhäusern.

In Europa sammelt das European Center for Disease Prevention and Control (ECDC) Daten über nosokomiale Infektionen.
Im Netzwerk MRSA-net kooperieren in der Region Twente/Münsterland deutsche und niederländische medizinische Fachkräfte mit dem Ziel, MRSA zu bekämpfen.

Krankenhauskeime: Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich?

  • Laut Robert Koch Institut ereignen sich in Deutschland 600.000 Infektionen mit Krankenhauskeimen und 10.000 bis 20.000 Todesfälle pro Jahr.
  • Pro 100.000 Einwohner erkranken jedes Jahr 500 bis 650 Menschen an nosokomialen Infektionen, im EU-Durchschnitt 450 bis 500. Ein Grund für die vielen Infektionen mit Krankenhauskeimen in Deutschland ist hohe Anzahl an Hospitalisierungen.
  • Der MRSA-Anteil unter den Staphylokokken sank in deutschen Kliniken zwischen 2010 und 2018 von 23,8 auf 13,3 Prozent.
  • Im Vergleich dazu sind in den Niederlanden nur 1 Prozent der Staphylokokken Methicillin-resistent.
    Die niedrigen Zahlen in den Niederlanden sind auf ein akkurates Hygienemanagement der Krankenhäuser zurückzuführen. So untersucht ein Mikrobiologe Patienten bereits bei der Aufnahme auf Erreger. Einem positiven Test folgt eine Quarantäne.
  • Neben den Niederlanden gelten Norwegen und Dänemark als die europäischen Länder mit den wenigsten nosokomialen Infektionen.
  • Am meisten von Krankenhauskeimen betroffen sind Frankreich und südliche EU-Länder wie Spanien und Griechenland, in denen Antibiotika ohne Rezept erhältlich sind.

Womit lassen sich Infektionen mit Krankenhauskeimen reduzieren?

  1. Hygiene – eine bessere Schulung der Reinigungskräfte und häufige Händedesinfektionen durch das medizinische Personal reduzieren die Übertragung von Krankenhauskeimen.
  2. optimaler Betreuungsschlüssel in Krankenhäusern – je mehr Patienten PflegerInnen versorgen müssen, desto schlechter können sie auf Hygiene achten.
  3. neue Medikamente – wirksamere Antibiotika könnten auch multiresistente Krankenhauskeime vernichten. Derzeit stockt aber die Entwicklung, da die kostenintensive Forschung auch im Falle eines Erfolgs zu wenig Gewinn bringt.
  4. sorgsamer Umgang mit Antibiotika – in den Ländern, in denen Menschen und Tiere wenige Antibiotika erhalten, treten auch weniger Infektionen mit Krankenhauskeimen auf.

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